Nutzungsausfall · Entschädigung

Nutzungsausfalltabelle: was Ihnen für die Zeit ohne Auto zusteht

Wer nach einem unverschuldeten Unfall auf sein Fahrzeug verzichten muss, kann dafür eine Entschädigung verlangen – auch ohne Mietwagen. Wie hoch sie ausfällt, hängt von der Fahrzeuggruppe, vom Alter des Fahrzeugs und von der Dauer ab.

Die Nutzungsausfallentschädigung ist ein pauschaler Tagessatz für die Zeit, in der Sie Ihr Fahrzeug unfallbedingt nicht nutzen können. Sie wird nach Fahrzeuggruppen bemessen, bei älteren Fahrzeugen abgestuft und für eine im Gutachten begründete Anzahl von Tagen gezahlt – unabhängig davon, ob Sie einen Mietwagen genommen haben.

Kurz gesagt

Das Wichtigste vorweg

  1. 01

    Kein Mietwagen nötig. Der Anspruch besteht gerade dann, wenn Sie auf ein Ersatzfahrzeug verzichtet haben.

  2. 02

    Die Gruppe bestimmt den Tagessatz. Maßgeblich sind Fahrzeugtyp und Motorisierung, nicht der Kaufpreis.

  3. 03

    Alter senkt den Satz. Ältere Fahrzeuge werden regelmäßig um eine oder zwei Gruppen herabgestuft.

  4. 04

    Die Dauer muss begründet sein. Sie ergibt sich aus der Reparatur- oder Wiederbeschaffungsdauer im Gutachten, nicht aus dem Kalender.

Grundlage

Wann Ihnen Nutzungsausfall zusteht

Der Anspruch beruht auf dem Grundsatz, dass der Schädiger den Zustand herzustellen hat, der ohne das schädigende Ereignis bestünde (§ 249 BGB). Die entgangene Nutzung eines Fahrzeugs wird dabei als eigener Vermögensschaden anerkannt. Drei Voraussetzungen müssen zusammenkommen:

  • Nutzungswille. Sie hätten das Fahrzeug im fraglichen Zeitraum tatsächlich nutzen wollen.
  • Nutzungsmöglichkeit. Sie hätten es auch nutzen können – wer im Krankenhaus liegt, hat sie nicht.
  • Spürbare Beeinträchtigung. Das Fahrzeug stand nicht zur Verfügung oder war nicht verkehrssicher.

Kein Anspruch besteht, wenn Sie parallel ein gleichwertiges Zweitfahrzeug genutzt haben oder wenn Sie einen Mietwagen abgerechnet haben – beides deckt denselben Nachteil ab.

Die Einstufung

Fahrzeuggruppen und Tagessätze

Die Höhe richtet sich nach der Fahrzeuggruppe. Grundlage ist in der Regulierungspraxis die Tabelle von Sanden/Danner/Küppersbusch, die jährlich neu herausgegeben wird. Eingeordnet wird nach Fahrzeugtyp und Motorisierung – nicht danach, was Sie für das Fahrzeug bezahlt haben.

Fahrzeuggruppen nach Sanden/Danner/Küppersbusch · Tagessätze auf Anfrage
GruppeFahrzeugklasseTypische FahrzeugeTagessatz
AKleinstwagen und Kleinwagen der Einstiegsklassez. B. Fiat Panda, Renault Twingoauf Anfrage
BKleinwagenz. B. VW Polo (ältere Baujahre), Opel Corsaauf Anfrage
CKleinwagen mit stärkerer Motorisierungz. B. Ford Fiesta, Skoda Fabiaauf Anfrage
DUntere Mittelklassez. B. VW Golf, Opel Astraauf Anfrage
EUntere Mittelklasse, stärkere Motorisierungz. B. Golf GTI, Ford Focus STauf Anfrage
FMittelklassez. B. VW Passat, Skoda Octaviaauf Anfrage
GMittelklasse, gehobene Motorisierungz. B. BMW 3er, Mercedes C-Klasseauf Anfrage
HObere Mittelklassez. B. BMW 5er, Audi A6auf Anfrage
JObere Mittelklasse und SUVz. B. Mercedes E-Klasse, VW Touaregauf Anfrage
KOberklassez. B. BMW 7er, Audi A8auf Anfrage
LOberklasse, stärkere Motorisierungz. B. Mercedes S-Klasseauf Anfrage

Die Fahrzeugbeispiele dienen der Orientierung. Die verbindliche Einstufung erfolgt anhand des konkreten Modells, der Motorisierung und des Baujahrs – zwei Fahrzeuge derselben Baureihe können in unterschiedlichen Gruppen liegen. Für Transporter und Motorräder gelten eigene Einstufungen.

Fahrzeugalter

Warum ältere Fahrzeuge niedriger eingestuft werden

Die Tabellenwerte gelten für fabrikneue Fahrzeuge. Mit zunehmendem Alter sinkt der Nutzungswert, und die Praxis stuft entsprechend herab. Üblich ist:

  • Fahrzeuge über fünf Jahre: eine Gruppe niedriger
  • Fahrzeuge über zehn Jahre: zwei Gruppen niedriger

Bei sehr alten Fahrzeugen wird teils nur noch der Ersatz der Vorhaltekosten anerkannt. Das ist allerdings keine starre Regel: Bei einem gepflegten Fahrzeug in gutem Zustand lässt sich eine Herabstufung begründet in Frage stellen. Genau deshalb gehört der Fahrzeugzustand ins Gutachten – er ist das Argument.

Zeitraum

Für wie viele Tage wird gezahlt?

Nicht für jeden Tag, den Sie ohne Fahrzeug waren – sondern für den Zeitraum, der technisch erforderlich war. Der ergibt sich aus dem Gutachten:

  • Bei Reparatur: die kalkulierte Reparaturdauer, zuzüglich der Zeit für die Begutachtung und, falls nötig, für die Ersatzteilbeschaffung.
  • Bei Totalschaden: die im Gutachten ausgewiesene Wiederbeschaffungsdauer – also die Zeit, die für die Beschaffung eines vergleichbaren Fahrzeugs anzusetzen ist.

Deshalb ist die Angabe der Ausfalldauer ein eigener Punkt im Unfallgutachten. Ohne begründete Dauer wird die Position regelmäßig gekürzt – und dann geht es nicht um den Tagessatz, sondern um die Anzahl der Tage.

Die Alternative

Nutzungsausfall oder Mietwagen?

Sie haben die Wahl, aber nicht beides. Ein Mietwagen wird in der erforderlichen Höhe ersetzt, verursacht aber Diskussionen über Klasse, Tarif und ersparte Eigenaufwendungen. Der Nutzungsausfall ist pauschal, unkomplizierter – und bleibt Ihnen, wenn Sie den Ausfall anders überbrücken.

Faustregel aus der Praxis: Wer täglich auf ein Fahrzeug angewiesen ist, nimmt den Mietwagen. Wer die Zeit mit ÖPNV, Rad oder einem Zweitwagen überbrücken kann, fährt mit der Entschädigung meist besser.

Häufige Fragen

Was beim Nutzungsausfall oft unklar ist

Bekomme ich Nutzungsausfall und einen Mietwagen gleichzeitig?

Nein. Beides deckt denselben Nachteil ab. Sie entscheiden sich für einen der beiden Wege.

Bekomme ich Nutzungsausfall, wenn das Auto noch fährt?

Nur wenn die Nutzung spürbar beeinträchtigt ist. Ist das Fahrzeug verkehrssicher und uneingeschränkt nutzbar, besteht der Anspruch regelmäßig nicht – auch dann nicht, wenn ein Schaden sichtbar ist.

Zählen auch Tage, an denen ich gar nicht gefahren wäre?

Nein. Vorausgesetzt sind Nutzungswille und Nutzungsmöglichkeit. Wer im fraglichen Zeitraum im Urlaub oder im Krankenhaus war, hätte das Fahrzeug ohnehin nicht genutzt.

Gilt das auch beim Totalschaden?

Ja, dann für die Dauer der Wiederbeschaffung. Maßgeblich ist die im Gutachten ausgewiesene Wiederbeschaffungsdauer, nicht die Zeit, die Sie sich tatsächlich mit dem Neukauf lassen.

Gibt es Nutzungsausfall auch für Motorräder?

Für ein Motorrad, das als einziges Fahrzeug der alltäglichen Fortbewegung dient, kommt eine Entschädigung in Betracht. Dient es erkennbar der Freizeit und steht daneben ein Auto zur Verfügung, wird sie regelmäßig abgelehnt.

Was, wenn die Versicherung die Position kürzt?

Kürzungen betreffen meist die Dauer oder die Gruppe. Beides lässt sich mit einer begründeten Kalkulation überprüfen. Die Durchsetzung selbst ist anwaltliche Tätigkeit – auf Wunsch übergeben wir die Unterlagen an eine Partnerkanzlei.

Ihr Fahrzeug einordnen

In welche Gruppe fällt Ihr Auto?

Sagen Sie uns Modell, Motorisierung und Erstzulassung – dann nennen wir Ihnen die Gruppe und den Tagessatz. Das dauert zwei Minuten.

Allgemeine Information zum technischen Hintergrund, keine Rechtsberatung. Ob und in welcher Höhe ein Anspruch besteht, richtet sich nach Haftung und Einzelfall.